Wenn die Sonne untergeht in Beirut


Teil 1 - Versinke nicht in Einsamkeit, kleine Zeder

Ach Libanon. Du machst es einem schwer, Dich nicht zu lieben. Ich erinnere mich noch genau, wie das damals war mit uns. Das erste Mal. Bereits im Landeanflug hast Du mich mit Deinem funkelnden Lichtermeer angestrahlt. Deine schwüle Nacht hat mich sanft umarmt und Dein Geruch liegt mir noch heute in der Nase. Vieles hat sich seitdem verändert und manches blieb gleich. Als ich damals in Beirut ankam stand ich -wie heute- an einem Fenster und blickte in die greifbare Ferne. Lichter tanzen nervös am Horizont zum Bass der Disco nebenan. Langsam, ganz langsam wird das dumpfe schwarz zu blau und die Straße füllt sich vor mir mit hektischem Verkehr. Damals, vor zwei Jahren, bevor die Dinge kompliziert wurden zwischen uns – da waren die Straßen voll mit Menschen. Da waren die Bars gefüllt mit Lebensfreude. Und heute? Heute liegst Du nahezu verzweifelt vor mir und von allen Seiten dröhnt die Frage: "Wie wird das weiter gehen, so nah am Abgrund?" Fühlst Du Dich allein, Libanon? Fühlst Du Dich dem Abgrund so nah, wie alle sagen? Wahrlich, einsamer könnte man sich vielleicht nicht fühlen – umgeben von einem Land, das sich im Krieg befindet, ein anderes mit dem man sich im Krieg befindet und ein sehnsuchtsvolles Meer, von dem jede Welle ein seufzer derer ist, die Dich verlassen mussten. Versinke nicht in Einsamkeit, meine kleine Zeder. Versinke nicht in Angst. Beirut, Du hast heute Nacht unruhig geschlafen - ein Schimmern am Horizont. Noch bahnt sich die Sonne sanft ihren Weg durch hoffnungslose Hoffnungsmomente und schmerzvolle Freuden. Und davon möchte ich Dir in den kommenden Wochen erzählen